Bademeister plauderte aus dem Nähkästchen

Der Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen

Junge Unternehmen trafen sich in der Theater b.a.r und lauschten dem „Chef“

 

„Karriere lässt sich kaum planen,“ begrüßte Frank Lichtenheld rund 50 Start-Ups in der Bar des Oberhausener Theaters.

 

Damit hatte der Geschäftsführer der Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung OWT nicht nur unternehmerische Aktivitäten auf den Punkt gebracht, sondern auch den Interviewgast des Abends zutreffend beschrieben.

Unter dem Motto „Impulse und Rückenwind für Gründer und Jungunternehmer“ hatten OWT, Weiterbildungsinstitut WbI, STARTERCENTER NRW und die Handwerkskammer im Rahmen der Gründerwoche Deutschland eingeladen. Im Zentrum des Abends stand das Gespräch von Petra Weyland-Frisch, verantwortlich für die Kommunikation und das Marketing der OWT und WbI-Geschäftsführer Peter M. Urselmann mit Hajo Sommers zum Thema „Erfolgsgeschichten“.

„Gründen heißt ja, du landest ganz unten. Da ist ‚Grund‘. Du fängst immer da an, wo es echt sumpfig ist.“ Mit dieser drastischen Beschreibung hatte Sommers – seit fast 20 Jahren „Bademeister“ im Ebertbad, seit 12 Jahren Präsident von RWO Rot-Weiß Oberhausen und seit Neuestem auch wieder Kneipier in der Theater-Gastronomie Falstaff – die Sympathien des Auditoriums auf seiner Seite. Ehrlich und realistisch, aber auch zugleich in der ihm eigenen humorvollen Art plauderte Hajo Sommers aus dem Nähkästchen. Er schilderte die Höhen und Tiefen des Kulttempels Ebertbad. Dass er häufig noch selbst am Eingang die Karten abreißt, ist für ihn Marktbeobachtung, Zielgruppendefinierung, Zufriedenheitsanalyse, Marketing und Kostenminimierung in Einem. Bei Sommers klingt das so: „Ratet mal, wer die billigste Kraft in meinem Laden ist?“

 

Flexibilität und Reaktion auf Marktveränderungen lauten bei Sommers: „Gucken was geht!“ Lange habe er sich gegen Facebook „und so“ gewehrt. Dann sei er auf den Zug aufgesprungen. Nun die Erkenntnis: „Das reicht nicht. Also ab morgen gibt’s auch zusätzlich wieder gedruckte Programmhefte.“ Das klingt lustig, ist aber im Grunde doch der Kern unternehmerischen Handelns. Und dann die Erkenntnis mit einem seufzenden Augenaufschlag: „Dabei wirst du auch alt!“ Und warum dann noch RWO-Präsident: „Die Mischung macht’s. Entscheidend ist die Grundeinstellung. Ist Unternehmer sein, höher, weiter, schneller oder bedeutet es vielmehr, etwas zu tun, was einem Spaß macht?“ Da schließt sich der Kreis vom Bademeister zum Präsidenten und Kneipier.

Auf die Frage, was er sich als Existenzgründer gewünscht hätte, kommt prompt die einfordernde Gegenfrage: „Gibt’s hier eigentlich niemanden, der dir sagt, wie’s geht?!“ Und anschließend folgt die Schilderung seiner Erlebnisse mit Banken und Behörden.

Ans Aufgeben hat Hajo Sommers nicht wirklich gedacht: „Das habe ich verpasst. Ich muss immer weiter!“ Und was möchte er gerne noch machen? „Die Stärken, die vielen kleinen Besonderheiten – nicht das Centro, das machen die Experten schon super – sondern das, was Oberhausen eigentlich für die Menschen ausmacht, nach außen posten.“ Warum gelingt das eigentlich nicht, das würde er gerne ausprobieren.

Dem Bekenntnis einer Besucherin, sie komme aus Mainz und wolle in Oberhausen bleiben, weil es ihr hier gefalle, kontert der Oberhausener Hajo Sommers schmunzelnd: „Und ich wollte immer weg und bin nicht weggekommen.“

Ein unterhaltsamer, erkenntnisreicher und zugleich auch Mut machender Abend mit einem Hauptgast, der ganz offensichtlich die richtige Ansprache für die jungen Unternehmer gefunden hatte. Das hier auch Impulse gegeben wurden, spiegelten die sich anschließend Unterhaltungen in kleinen Gruppen.

 

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